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3½ Stunden Schlaf und dann das…

Es ist 1 Uhr in der Nacht zum 01. September 2009 - meine Frau Elisabeth und ich kommen gerade von einer Geburtstagsfeier nach Hause, stehen vor unserem Haus und blicken in einen Himmel, übersät mit Millionen Sternen. Da überkommt mich wieder einmal der schon seit Wochen gehegte Wunsch, einen Sonnenaufgang am Rötelstein genießen zu wollen.

Der Entschluss war sofort gefasst – eine kleine Katzenwäsche und schnell ab ins Bett, um 4:30 Uhr wieder raus aus den Federn, wenn dies auch nicht sehr leicht fällt, kurzes Frühstück mit Kaffee und Honigbrot, Jause und Getränk richten, Wanderrucksack mit den notwendigen Utensilien (Wechselkleidung, Klopapier, Kamera, Pullover, Windjacke, Handy etc.), einpacken, Wanderstöcke nicht vergessen und raus in die kühle Nacht.

Die Fahrt Richtung Sulzenalm verläuft problemlos – kurz vor der Maut sitzen zwei Hasen mitten auf der Strasse und fühlen sich sichtlich gestört, als sie vom Lichtkegel meines Wagens erfasst werden – mein Erscheinen veranlasst sie aber dann doch, das Weite zu suchen und entschwinden so meinem Blickfeld.

Im Dunkel der sternklaren Nacht ist die Silhouette unseres Hausberges, der Bischofsmütze, nur schemenhaft auszunehmen, obwohl bereits ein leichter Grauschleier des herannahenden Morgens erkennbar ist.

Kurz vor der Wallehenhütte störe ich noch ein Reh, welches sich am Wegrand an taufrischen und schmackhaften Almgräsern erfreut. Es würdigt mich aber nur eines kurzen Blickes und findet es absolut nicht notwendig, seinen Standort zu verlassen. Es soll mir Recht sein und fahre langsam an ihm vorbei.

Zwei Minuten später erreiche ich den Ausgangspunkt meiner Gipfelwanderung. Eine totale Stille umgibt mich, als ich mich – bewaffnet mit Kamera und Fernglas – auf den Weg mache. Selbst die Frühaufsteher der Wallehenhütte, Maridi und ihre Tochter Maria scheinen noch die warmen Schlafdecken zu genießen. Nicht hastig aber doch flotten Schrittes geht es Richtung Sulzenhals. Es ist wundervoll, die Luft des heraufkommenden Morgens in die Lungen zu saugen und offenen Auges und Ohres das Erwachen des neuen Tages zu erleben.

Kurz vor dem Sulzenhals vernehme ich die erste Vogelstimme. Ein ganz leises Piepsen dringt an mein Ohr. Leider bin ich kein Ornithologe und kann deshalb diesen Gesang keiner Vogelart zuordnen. Vielleicht sollte ich diesbezüglich einmal einen Jäger kontaktieren. Nun geht es aber Schlag auf Schlag – minütlich mehren sich die Stimmen und bilden so eine wunderbare und angenehme Geräuschkulisse. Nur der Motorlärm eines, vom Tal kommenden, Autos durchbricht die bislang herrschende Stille für kurze Zeit.

Um 5:45 Uhr erreiche ich den Sulzenhals. Ein herrlicher Blick Richtung Osten eröffnet sich mir. Frischer Wind bläst von der Bachlalm herauf. Mit etwas Morgenrot kündigt sich ein prachtvoller Tag an. Ich bin froh über meine Entscheidung vor gut 4 Stunden.

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Morgenrot am Sulzenhals

Nach einer kurzen Rast, dem Genuss eines Pfirsichs und ein paar Schluck Wasser, setze ich zum “Gipfelsturm” an. Anfangs geht es noch zügig den Steig entlang, vorbei am Gedenkmarterl an Hofrat Dipl. Ing. Alfred Forstner und schließlich steil ansteigend, in Serpentinen, über eine lang gezogene Geröllhalde. Hier werden die Schritte schon etwas kleiner aber auch langsamer und ich bin froh, dass ich schon seit Jahren mit Wanderstöcken in die Berge gehe. Ich fühle mich damit einfach sicherer. Ebenso wichtig für mich ist das Schuhwerk. Es ist oft erschreckend anzusehen, in welchen “Latschen” einige Menschen in den Bergen unterwegs sind - einfach verantwortungslos. An dieser Stelle sei dem Tourismusverband Filzmoos unter der Führung von Evi Salchegger und der Firma LOWA für die Möglichkeit, Wanderschuhe einen ganzen Tag – Gratis - zu testen, herzlich gedankt – eine wirklich sinnvolle und wichtige Einrichtung – für Gäste und Einheimische gleichermaßen.

Kurze Verschnaufpausen (man ist ja nicht mehr 20) nütze ich, um mit dem Fernglas die umliegenden Berge, vom Dachstein bis hinüber zur Bischofsmütze zu erkunden und ggf. fotografisch festzuhalten. Die schroffen Felsmassive sind einfach gigantisch und es ist all zu verständlich, dass diese mächtigen Wände das Herz jeden Kletterers zum Jauchzen bringen. Es ist nur schade und bedauerlich, dass immer wieder einige Verfechter dieses gefährlichen Hobbys verunfallen bzw. zu Tode kommen.
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Sonnenaufgang auf der Bischofsmütze

Beim Blick hinunter auf den Sulzenhals entdecke ich zwei Personen den Weg hochkommen, den auch ich gegangen bin. Wahrscheinlich jene Herrschaften aus dem vorher wahrgenommenen Fahrzeug. Auch sie halten dort kurz inne und gehen dann aber Richtung Sulzenschneid.

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Der Hochkesselkopf

Kurz vor dem Ausstieg ist noch eine kurze aber sehr steile Passage zu überwinden. Für dieses Teilstück schiebe ich meine Wanderstöcke zusammen und fixiere sie am Rucksack. Unter Zuhilfenahme meiner Hände durchsteige ich diese kleine Schlucht. Von nun an geht es gemächlich – zuerst noch etwas steil – dann jedoch übergehend auf einen flachen und sanften Almboden – Richtung Gipfel.

Das Ziel ist erreicht – es ist 6:40 Uhr – und ich bin glücklich, dieses noch vor Sonnenaufgang erreicht zu haben.

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Kurz vor dem Sonnenaufgang
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Nun ist es soweit - die Sonne kommt

Mutterseelen allein stehe ich am Gipfelkreuz, danke dem Herrn mit einem kurzen Gebet und genieße die Aussicht auf die bereits sonnenüberfluteten Berge rund herum und die noch mit einer leichten Dunstschicht überzogenen Täler. Einzig eine kleine Schafherde sehe ich und einige Bergdohlen gesellen sich um mich, wahrscheinlich in der Hoffnung, etwas essbares von mir abzubekommen. Diese Vögel sind wahre Flugkünstler, welche es großartig verstehen, die Aufwinde an den Felswänden zu nützen, um in kurzer Zeit große Höhen zu erlangen.

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Am Gipfel des Rötelstein

Nun ist Hemdwechsel angesagt. Man schwitzt ja doch ganz schön und es wäre fatal, nichts dagegen zu unternehmen. Die Jause wird ausgepackt und zusammen mit einer Dose Bier genossen. Meine Eindrücke halte ich auch kurz im Gipfelbuch fest und freue mich, unserem Schöpfer etwas näher zu sein. Der Rötelstein ist ja immerhin 2245 Meter hoch. Meiner Elisabeth schicke per Handy einen „Guten Morgen“ - Gruß und beschreibe auch ihr kurz meine Eindrücke. Einen kleinen Teil meiner Jause bekommen dann wirklich die schwarzen Vögel mit dem gelben Schnabel – die Bergdohlen. 

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Ist es Neugier oder Hunger? - sie fressen aus der Hand

 

Mich interessieren nicht nur die Berge rings herum, ich kann mich auch an der wunderbaren Flora und Fauna nicht satt sehen. Was da kreucht und fleucht ist einfach überwältigend. Ich bin froh, in einer Gegend mit vier Jahreszeiten leben zu können.

Fast drei Stunden genieße ich die Einsamkeit und Schönheit unserer Heimat. Ich beobachte und erlebe das Erwachen von Mensch und Natur unten im Tal, verbunden natürlich auch mit dem Ansteigen des, wenn auch weit entfernten, Lärmpegels.

Erst am Weg zum Abstieg über dieselbe Route kommt mir eine Wanderin entgegen. Ein kurzer Gruß und einige Worte zu unser beider Vorhaben – dann bin ich wieder allein.

Erst etwa bei der Hälfte des Abstieges zum Sulzenhals höre ich die Stimmen von heraufkommenden Wanderern. Nun ist besondere Vorsicht geboten, um ja keine Steine los zu treten. Alles geht gut. Vom Hals zur Wallehenhütte bin ich fast im Laufschritt unterwegs, denn groß ist der Hunger auf eine herzhafte Würstelsuppe und ein kühles Bier bei den Sennerinnen Maridi und Maria.

Ein, für mich wahrlich schöner Tag – Danke lieber Herrgott, dass ich ihn erleben durfte.

 

 

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